Gedenkstättenfahrt 2010

Ganze drei Stunden erzählt Wilhelm Brasse von seiner Zeit als Häftling in Auschwitz, gespannt hören die Schülerinnen und Schüler zu. Überleben konnte er nur, weil die Nazis ihn als Häftlingsfotograf einsetzten. Tausende Portraitaufnahmen der neu angekommenen Häftlinge machte Brasse. „Manchmal versuchte ich, mit den Menschen ein paar Worte zu wechseln. Doch über was spricht man mit einem, von dem man weiß, dass er bald ermordet wird?". Die Nazis schätzten seine Arbeit als Fotograf und ließen sich auch selbst gerne von ihm fotografieren. Immer wieder wurde er zu Josef Mengele geschickt, dem berüchtigten SS-Arzt, um für ihn die Opfer seiner Menschenversuche auf Bild festzuhalten. Nach dem Krieg konnte Brasse seinen Beruf nicht mehr ausüben. „Diese Bilder habe ich nie wieder aus meinem Kopf bekommen. Immer wenn ich jemanden fotografieren wollte, erschienen die Bilder der Toten vor mir."
Das Gespräch mit dem Zeitzeugen Wilhelm Brasse war sicherlich der Höhepunkt der einwöchigen Gedenkstättenfahrt der Schülerinnen und Schüler der Herta-Lebenstein-Realschule. Erste Station der Schüler war in Berlin die Villa am Wannsee, in der 1942 die so genannte „Endlösung der Judenfrage" organisiert wurde. Von dort aus ging es dann weiter nach Auschwitz und Birkenau, den Orten der grausamen Umsetzung dieses Beschlusses. Die hier zu besichtigenden Zeugnisse des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte gingen unter die Haut und hinterließen einen starken Eindruck bei den Schülern.
Der Besuch der Stadt Krakau mit dem Königsschloss und der mittelalterlichen Altstadt bildete den Kontrastpunkt. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck der polnischen Kultur und des modernen Polens gewinnen.
Auf der Rückreise wurde Zwischenstation beim Kinderheim in Wojcieszow gemacht, mit dem die Schule seit über 20 Jahren eine Partnerschaft verbindet. Gerade in diesen Begegnungen mit den polnischen Schülern zeigt sich immer wieder, dass ein freundschaftlicher Umgang zwischen Deutschen und Polen trotz der Sprachbarrieren inzwischen wieder selbstverständlich ist.

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