Familie Lebenstein entdeckt ihre Wurzeln

Acht Mitglieder der Familie Lebenstein haben jetzt Stadtlohn besucht. Die jüdische Familie lebte früher in Stadtlohn und wurde durch die Nazis verfolgt und zum Teil verschleppt und ermordet.

STADTLOHN - Sehr bewegt zeigten sich acht Mitglieder der Familie Lebenstein aus Israel zum Abschluss ihres Gastbesuches in Stadtlohn. Gemeinsam nutzten sie die Woche, um sich mit den Wurzeln ihrer Familie im Geburtsort des jüdischen Viehhändler Daniel Lebenstein, der mit seiner Frau Olga am Markt in Stadtlohn wohnte und während des Zweiten Weltkrieges zusammen mit weiteren Stadtlohner Juden deportiert wurde, vertraut zu machen.
Deren Tochter Herta war einst Schülerin der Dufkampschule und wurde im Jahr 2000 Namensgeberin der heutigen Realschule. Möglich geworden ist dieser Besuch dank des Engagements der gebürtigen Stadtlohnerin Elfriede Haase, die den internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes mit der Suche nach der Familie beauftragt hatte.
Ältestes Mitglied der Gruppe war Marta Lebenstein, Ehefrau von Walter Lebenstein, einem Bruder Herta Lebensteins, der wie Bruder Ernst auch in den 30er-Jahren aus Stadtlohn nach Palästina ausgewandert war. Zum Dank überreichte Marta Lebenstein Bürgermeister Helmut Könning ein Bild des jüdischen Malers Jakob Pins, der ebenfalls in den 30er-Jahren emigrierte. „Es ist eine Ehre für uns, hier sitzen zu dürfen. Wir haben sehr warme Begegnungen mit Menschen erfahren, die Interesse an der Geschichte unserer Familie gezeigt haben", so Avraham Azoulay, Sohn von Ernst Lebenstein.
Ein Traum sei für die Familienmitglieder wahr geworden. „Wir wussten nicht viel von unserer Familie. Doch auf dieser Reise haben wir unsere Wurzeln entdeckt. Es gibt kaum Worte, dafür zu danken", pflichtete Rivka Twig, Tochter Marta Lebensteins, bei. „Wir haben die schrecklichen Kriegsereignisse nicht vergessen und werden dies auch niemals tun", so Könning, der an die Gedenkfeier zum 9. November auf dem jüdischen Friedhof, die „Aktion Stolperstein" im vergangenen Jahr und insbesondere an die Namensgebung der Herta-Lebenstein-Realschule erinnerte.
„Die Schülerinnen und Schüler sollen sich so mit der Geschichte befassen. Der Name Lebenstein gehört zu Stadtlohn als mahnende Erinnerung. Wir wünschen, dass sie Stadtlohn nicht vergessen werden", so Könning, der die Besuchergruppe anschließend zum Eintrag in das Goldene Buch der Stadt bat.
Auf der Reise in ihre Vergangenheit begaben sich die acht Mitglieder der Familie Lebenstein zunächst am Montag in das Stadtarchiv. Gemeinsam mit der Historikerin Ingeborg Höting führte der Weg am Dienstag nach Epe und Ochtrup, wo Gräber der Familie Lebenstein besucht wurden. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Herta-Lebenstein-Realschule wurde am Mittwoch ein Stadtrundgang mit intensivem Gedankenaustausch unternommen. Die Kaffeetafel wurde am Nachmittag bei Elfriede Haase eingenommen. Der Abschlussbesuch erfolgte am Donnerstag im Rathaus.

 

Marta Lebenstein mit ihrer Tochter Rivka beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

aus der Münsterland Zeitung vom 21. Mai 2011

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