Zeitzeuge schildert Erlebnisse aus dem KZ

Bei ihrem Besuch im Kinderheim in Wojcieszow haben
die Schüler Kontakte geknüft und gepflegt. 

STADTLOHN. „Ich war Häftling Nummer 83827. Diese Zahl werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen", berichtete Ignacy Krasnokucki den Schülern der Lebenstein-Realschule kürzlich. Krasnokucki ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust. Das Treffen mit ihm stellte für die Jugendlichen einen Höhepunkt ihrer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz dar.
Fast drei Stunden lang schilderte der ehemalige Häftling eindrucksvoll die Zeit im Getto Lodz und in verschiedenen Konzentrationslagern. Überlebt hat er nur, weil er als junger Elektriker - damals kaum älter als die Schüler heute - den Nazis nützlich war. Mit Glück und viel Mut konnte Krasnokucki schließlich vom sogenannten Todesmarsch flüchten. Nach seinem Bericht beantwortete der 89-Jährige mit großer Ausdauer die vielen Nachfragen der Schüler.

Schrecken und Kultur
So begriffen die Schüler, wie konsequent der Beschluss über die „Endlösung der Judenfrage" umgesetzt wurde. Davon überzeugt haben sich die Mädchen und Jungen allerdings nicht nur im Vernichtungslager Auschwitz. Auf ihrer Fahrt besuchte die Gruppe auch das Vernichtungslager Birkenau, nachdem sie zu allererst in Berlin zur Villa am Wannsee fuhren. Dort war im Februar 1942 die so genannte „Endlösung der Judenfrage" organisiert worden.
Einen nachhaltigen und durchaus düsteren Eindruck haben diese Zeugnisse des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte hinterlassen. Eine Abwechslung von den erdrückenden und bewegenden Bildern und Informationen bot der Besuch der Stadt Krakau mit dem Krönungsschloss der polnischen Könige und der malerischen Altstadt. In der Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Kleinpolen zeigte sich den Jugendlichen die Größe polnischer Kultur, die der nationalsozialistische Rassenwahn zu vernichten versucht hatte.

Bei einer Führung durch das Stammlager Auschwitz sahen die Schüler
unter anderem die Erschießungswand im Hof von Block 11. Über Kopf-
hörer erhielten sie Informationen. 

Kinderheim besucht

Von Krakau aus fuhr die Gruppe auf der Rückreise nach Stadtlohn zum Kinderheim in Wojcieszow. Die Lebenstein-Realschule und das Kinderheim verbindet seit über 25 Jahren eine Partnerschaft. Dort konnten die Schüler neue Kontakte zu den in der Einrichtung lebenden polnischen Kindern herstellen und bestehende pflegen.

aus der Münsterland Zeitung vom 21. Oktober 2014

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