Schulstunden mit Besuchern aus Nachbarwerkstatt

Erwachsene mit Behinderung der Werkstatt Haus Hall waren im Unterricht dabei. Foto HLR

Stadtlohn. Erdkunde stand vor Kurzem auf dem Stundenplan der Klasse 5 der Herta-Lebenstein-Realschule und sechs erwachsene Menschen mit Behinderung der Werkstatt Haus Hall verfolgten das Geschehen. „Endlich lernen wir mal jemanden von nebenan kennen", hörte man die Schüler murmeln. Die Werkstatt liegt neben dem Schulhof. So sieht man sich ab und zu durch den Zaun, der die Gelände voneinander trennt. In der vergangenen Woche hatten einige Schüler die Möglichkeit, mit den Menschen von nebenan zu sprechen und gemeinsam zu lernen.
Im Computerraum bildeten sich für die Erdkundestunde schnell kleine Gruppen und die Erwachsenen aus der Werkstatt waren mittendrin. Gemeinsam sollten sich die Schüler mit den Werkstattmitarbeitern in Münster orientieren. Mit Hilfe von Google Maps mussten sie Entfernungen ermitteln und die schnellsten Routen suchen.
Weiter ging es mit einem Rundgang durch die Schule. Besonders groß war das Interesse an der Schulmensa. Die Köchinnen bereiteten das Mittagessen für die Schüler vor. Bei diesem Geruch bekamen alle Hunger und wollten unbedingt wissen, wie an der Herta Essen bestellt wird und was es gibt.
Blumiger Kunstunterricht
Anschließend stand Kunstunterricht auf dem Stundenplan. Die Kinder der 5c hatten mit der Kunstlehrerin Bilder mit großen Blumensträußen vorbereitet, die von Schülern und Werkstattmitarbeitern ausgemalt und ausgeschnitten wurden. Die bunten Blumensträuße wurden auf ein großes Papier geklebt. Das gemeinsam erstellte Kunstwerk war ein Geschenk der Schüler an die Haus Haller Werkstatt. Ein Mitarbeiter der Werkstatt hatte sich besonders viel Mühe gegeben und war stolz, dass sein Bild auch aufgeklebt wurde. Alle waren sich einig, dass es ein erlebnisreicher und schöner Vormittag bei den Nachbarn nebenan war.
In regelmäßigen Abständen verbringen Beschäftigte der Werkstatt für Menschen mit Behinderung einen Vormittag in der Herta-Lebenstein-Realschule. Es ist ein Bildungsangebot und gleichzeitig gelebte Nachbarschaft.
Gegenbesuch geplant
Mehrere Gegenbesuche in der Werkstatt sind bereits geplant. Dann kommen Realschüler der Klassen 10 für einen Vormittag in die Werkstatt an der Burgstraße. Sie erleben einen Rundgang und hospitieren in einer der vielen Arbeitsgruppen. Auch das gemeinsame Frühstück gehört dazu, denn immer geht es darum, gemeinsam etwas zu tun und zu erleben.
Bei so vielen positiven Erfahrungen liegt es nahe zu überlegen, ob der Kontakt noch intensiviert werden kann. Zu dem Schulmusical „Elecs Geheimnis", das Anfang März in der Herta aufgeführt wird, werden die Mitarbeiter der Werkstatt auf jeden Fall eingeladen und vielleicht gelingt ja sogar ein Besuch des Schulchors bei der Adventsfeier der Haus Haller Werkstatt.
Johannes Ebbing, Leiter der Stadtlohner Werkstatt Haus Hall, und Harald Robers, Koordinator der Herta-Lebenstein-Realschule, sind sich einig, dass es erstaunlich ist, mit welcher Selbstverständlichkeit Schüler auf die Beschäftigten mit Behinderung zugehen. „Es erweitert den Erfahrungshorizont eines gesunden Menschen unglaublich, wenn er eine gewisse Zeit mit Menschen mit Behinderung arbeitet und sie und ihre Welt kennen und schätzen lernt", sagt Johannes Ebbing zum Abschied.

aus der Münsterland Zeitung vom 20. Februar 2020

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