An der„Herta" produzieren 3D-Drucker nun Corona-Schutz

Im aktuell eingeschränkten Schulbetrieb an der Herta-Lebenstein-Realschule in Stadtlohn ist Daniel Reitmeyer, Fachbereichsleiter Technik, aktuell damit beschäftigt, sogenannte Face Shields mit den 3D-Druckern zu produzieren. Von diesen profitiert nicht nur das Kollegium an der Schule selbst.

Es ist ruhig in der Herta-Lebenstein-Realschule, aktuell sind allein die Abschlussjahrgänge zum Unterricht in der Schule. Im Technikbereich herrscht dennoch Betrieb, einige 3D-Drucker surren vor sich hin. Tagtäglich, zehn Stunden am Stück. Einen prüfenden Blick wirft der Fachbereichsleiter Technik, Daniel Reitmeyer, auf die Maschinen: Alles in Ordnung. Dort, wo eigentlich Entwürfe am PC im Physikunterricht computergestützt in praktische Modelle umgesetzt werden, werden nun sogenannte Face Shields produziert. 20 am Tag.
Dieses Face Shield, eine Art Gesichtsvisier, ist ein Spuckschutz, der einen Zusatz-Schutz gegen Tröpfchenübertragung bietet, weshalb es besonders im medizinischen Bereich zur Anwendung kommt. Eine große Nachfrage gibt es in der aktuellen Corona-Krise gerade in Krankenhäusern, bei Pflege- und Rettungsdiensten, Arztpraxen oder Hilfsorganisationen. Und eben bei Schulen.
Angenehm zu tragen
Die Idee, diese Face Shields an der Schule zu fertigen, entstand in den Osterferien. „Unser Schulleiter hat mich kontaktiert. Da die 3D-Drucker aktuell nicht für den Unterricht verwandt werden, hat er diese alternative Nutzung angeregt", erklärt Daniel Reitmeyer. Mit großem Erfolg. Das gesamte Kollegium konnte bereits ausgestattet werden, ebenso eine Grundschule und eine weiterführende Schule. Ein erstes Unternehmen habe bereits Interesse gezeigt.
Die Schutz-Masken erleichtern die Arbeit: „Sechs Stunden mit der Stoffmaske zu unterrichten, ist nicht ohne", weiß der Lehrer zu berichten. Und sie sind angenehm zu tragen, leichter zu reinigen sowie rasch und effektiv zu desinfizieren. Brille und Maske können darunter bequem getragen werden.
Ein wenig spielte der Zufall dem Technikteam an der Schule in die Karten. „Wir haben eine Fördersumme für ein Physik-Projekt erhalten und diese im Februar in die 3D-Drucker investiert", so Daniel Reitmeyer. Parallel angeschafft wurden die sogenannten Filamente, thermoplastische Kunststoffe. „Ich dachte erst, unser Vorrat reicht für Jahre. Da haben wir aber auch noch nicht damit gerechnet, dass es bald eine alternative Verwendung geben würde." Aus diesen Filamenten werden die 3D-Druck-Halterungen gefertigt.

Die Gesichts-Schutzmasken sind angehem zu tragen und
bieten einen zusätzlichen Schutz gegen Tröpfchenbildung.

Produktion läuft zuverlässig
Enger würden die Kapazitäten derzeit schon bei den Gummis und den Folien, mit denen die Face Shields komplettiert werden. Doch auch da spielte der Zufall eine kleine Rolle. „Die Zeit der Overhead-Projektoren ist ja eigentlich vorbei. Nun sind wir froh, dass wir noch einiges an Folien im Bestand hatten", schmunzelt Reitmeyer.
Die Produktion an sich ist recht einfach. „Natürlich mussten wir die Drucker zunächst einmal programmieren. Jetzt reicht es, wenn wir sie morgens einmal einstellen, sie laufen dann sehr zuverlässig, ich muss selten nachjustieren. Bei der Konstruktion hat sich schon jemand Gedanken gemacht."
Die ursprüngliche Idee des Physikprojektes, das ausgezeichnet worden war, stößt übrigens ebenso auf große Resonanz. „Die von den Schülern im Physikunterricht computergestützt-konstruierten Modelle veröffentlichen wir online. Die Zugriffe sind enorm", so Reitmeyer. Dass die Schüler ihre am PC gezeichneten Modelle nun auch ausdrucken könnten, sei „ein großer Schritt".
„Solidarischer Beitrag"
Doch vorerst werden die 3D-Drucker weiter für die Produktion von Face Shields im Einsatz bleiben. Wie lange noch, das weiß aktuell so recht niemand. „Wir leisten damit in einer für alle angespannten Zeit einen solidarischen Beitrag zum Gemeinwohl", freut sich Schulleiter Stefan Wichmann - auch über die nachhaltige Investition und die engagierten Schüler. Und so werden neben den nach und nach wieder zurückkehrenden Schülern auch die Drucker im Technikbereich weiter zurren. Zehn Stunden täglich...

aus der Münsterland Zeitung vom 7. Mai 2020

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