Jetzt können Realschüler auch lasern

„Hier können wir jetzt die Intensität des Lasers einstellen", sagt Frieda und gibt die Werte mit geübten Handgriffen in den Computer ein. Sie und ihre Mitschülerinnen Frieda und Henrika sind schon echte Profis an dem neuen Laser-Cutter, der im Technikraum der Herta-Lebenstein-Realschule steht.
Noch einige weitere Einstellungen, dann schließen die Schülerinnen den Deckel der Maschine und drücken den Start-Knopf. Sofort setzt sich der Laserkopf in Bewegung und ein Rauschen ertönt. „Das ist die Absaugvorrichtung", sagt Techniklehrer Daniel Reitmeyer und zeigt auf einen dicken Schlauch, der von der Maschine durch das Fenster nach draußen führt. „Je nachdem, welches Material geschnitten wird, kann nämlich schon mal Rauch entstellen."
„Der Technikunterricht hat an der Herta-Lebenstein-Realschule einen hohen Stellenwert", sagt Schulleiter Stefan Wichmann. CNC-Fräsen und SD-Drucker gehören dort längst zum Schulalltag. Die neue Laser-Schneidmaschine bringt nun weitere Vorteile mit sich. „Damit kann man fast alle Materialien verarbeiten", sagt Daniel Reitmeyer. Egal ob Holz, Metall oder Kunststoff. Doch die Maschine kommt nicht nur den Technikschülern zugute.

Schüler entwerfen Modelle selber am Computer
„Die Schüler lernen bei uns schon früh, am Computer in 3D zu zeichnen", sagt der Techniklehrer. Computer-Aided Design (CAD) heißt das, also Computer basiertes Design. Am PC entwerfen die Schüler Modelle und zeichnen die entsprechenden Bauteile. Mit dem Laser-Cutter oder dem SD-Drucker können diese direkt im Anschluss produziert werden. Die fertigen Modelle werden dann wiederum in anderen Fächern genutzt. Mit dem Laser-Cutter zum Beispiel haben die Schüler eine Deutschlandkarte aus Holz produziert, bei der man die einzelnen Bundesländer wie bei einem Puzzle herausnehmen kann. Dieses Modell soll bald im Erdkundeunterricht eingesetzt werden. Für den naturwissenschaftlichen Unterricht haben die Technikschüler schon Modelle gebaut, mit denen man mithilfe der Sonnenstrahlen Flüssigkeiten in einem Reagenzglas erhitzen kann. „Von Schülern für Schüler", fasst Stefan Wichmann das Prinzip zusammen.
Die Pläne für diese Modelle stellt die Herta-Lebenstein-Realschule auf einer Internetseite anderen Schulen zur Verfügung. „Diese können dort die Zeichnungen runterladen und dann mit dem eigenen SD-Drucker oder Laser-Cutter produzieren. Einige unserer Modelle werden zum Beispiel in Russland oder in den USA genutzt", sagt Daniel Reitmeyer.

Fördergelder haben Anschaffung ermöglicht
Der Laser-Cutter hat seine Arbeit inzwischen beendet. „Wir müssen jetzt noch kurz warten, bevor wir die Klappe öffnen", weiß Achtklässlerin Henrika. Eine Sicherheitsvorkehrung, damit eventuell heiße Luft oder Rauch noch abgesaugt werden können. Die Maschine ist zudem auch mit einem getönten Glas abgedeckt, sodass keine Sicherheitsbrillen getragen werden müssen. Norbert Wansing, Kundenberater bei der Volksbank Stadtlohn, zeigte sich begeistert von den Möglichkeiten der Maschine. „Das ist ein tolles Projekt, das wir gerne unterstützen", sagt er. Die VR-Westmünsterland Bildungsinitiative hat 2000 Euro beigesteuert, die restlichen 1000 Euro hat der Förderverein der Realschule übernommen. „Ohne diese Hilfe wäre so etwas nicht zu bezahlen", sagt Stefan Wichmann. Frieda, Henrika und Frieda öffnen jetzt die Klappe des Laser-Cutters und holen das Stück Filz heraus. Sie können nun das geplante Rechteck heraustrennen. Gut zu sehen ist der eingravierte Name. Die Achtklässlerinnen fixieren noch schnell eine Klammer und einen Schlüsselring mit ein paar gezielten Hammerschlägen und fertig ist das Namensschild als Schlüsselanhänger.

aus der Münsterland Zeitung vom 22. Mai 2021

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