Theateraufführung „Die Physiker“

Stadtlohn. Theater gibt es ja öfter mal in der Schule, jetzt öffnete sich aber der Vorhang der Stadthallenbühne für die Schüler der Herta-Lebenstein-Realschule für Unterricht der besonderen Art.
Noch in der zweiten großen Pause strömten alle Neunt- und Zehntklässler mit ihren Deutschlehrern zur Stadthalle. Hier wartete eine professionelle Schauspieltruppe auf sie, um das Stück „Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt aufzuspielen.
Alle Schülerinnen und Schüler hatten sich im Vorfeld mit dem Thema „Drama" auseinandergesetzt und viele beschäftigten sich gerade mit diesem Stück. Es ist nun aber doch etwas ganz anderes, ob man sich einem Theaterstück in Buchform nähert und sich durch die teils doch recht schwierigen Textpassagen quält, oder sieht, wie die Figuren durch das Können der Schauspieler auf der Bühne zum Leben erweckt werden. „Ich habe mir die Figur des Möbius ganz anders vorgestellt", „Der Newton hat den Verrückten total gut gespielt" oder „Toll, wie der in der Rolle hin und hergewechselt ist", sind nur einige der Kommentare des begeisterten Publikums.

Die Erklärungen zum Inhalt und zur Bedeutung des Stückes, die der Intendant der Truppe im Vorfeld gab, wären für die meisten Zuschauer gar nicht nötig gewesen. Sie wussten bereits, dass Dürrenmatt dieses Stück 1961 in Zeiten des Kalten Krieges und als Reaktion auf den Abwurf der ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki mit den verheerenden, katastrophalen Folgen geschrieben hat. Im Kern handelt das Stück von der Verantwortung der Physik gegenüber der Welt und dem Ausnutzen der Erfindungen zur Massenvernichtung durch die Mächtigen. Die Handlung spielt in einem Irrenhaus, die Irren sind am Ende gar nicht verrückt, sondern die Ärztin ist die Irre und das anfängliche Happy End wandelt sich in eine Katastrophe für die ganze Menschheit. Trotz dieser Tragik ist „Die Physiker" eine Komödie, denn, wie Dürrenmatt sagt: "Dem ganzen Wahnsinn dieser Welt kommt man nur mit der Komödie bei."

Ein veralteter Schulstoff aus dem letzten Jahrtausend? Den Schülern und Schülerinnen der Herta ist durchaus bewusst, dass Massenvernichtungswaffen, dass Machthaber, die an den „roten Knöpfen" sitzen, und neue Erfindungen, deren Ausmaß wir nicht kennen, Probleme sind, die sie auch in Zukunft beschäftigen werden. Denn: „Der Inhalt der Physik geht die Physiker an, die Auswirkung alle Menschen."

Text gekürzt auch in der Münsterland Zeitung vom 29. März 2019

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